Vorwurf: Mobbing an Schulen: Warnung vor Gülen-Anhänger in Deutschland – FOCUS Online

Der Verfassungsschutz warnt nach Informationen der ARD und des „Spiegels“ vor der Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen. Die Sendung „Report Mainz“ verwies am Sonntag auf ein internes Papier des Landesamtes für Verfassungsschutz Baden-Württemberg, in dem Gülen vorgeworfen wird, dass sein Gedankengut in mancherlei Hinsicht im Widerspruch zur freiheitlich demokratischen Grundordnung stehe. Die Bewegung verfolge einen türkischen Nationalismus in „seriösem Gewand“ mit „islamistischen Komponenten“. Gülen selbst strebe einen Gottesstaat an.

Die Gülen-Bewegung spielt eine zentrale Rolle bei den aktuellen politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen in der Türkei. Mitte Dezember hatten Istanbuler Staatsanwälte Korruptionsvorwürfe gegen die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan publik gemacht. Erdogan sieht darin den Versuch von Gülen, seine Regierung zu stürzen. Gülens Hizmet-Bewegung verfügt über viele Anhänger in der türkischen Justiz und Polizei. Erdogan hat seit Bekanntwerden der Vorwürfe mehrere tausend Polizisten, Richter und Staatsanwälte zwangsversetzen lassen, um den vermuteten Einfluss Gülens zu bekämpfen.

Mädchen zum Kopftuchtragen gedrängt

Anhänger des in den USA lebenden Imams sind in 140 Ländern aktiv. Alleine in Deutschland betreiben sie etwa 300 Bildungseinrichtungen – zum Teil mit staatlicher Unterstützung. Das Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg kritisiert dem Bericht zufolge nun, dass Äußerungen Gülens mitunter nicht mit dem Prinzip der Gewaltenteilung, der Religionsfreiheit, der Freiheit von Wissenschaft und Lehre und der Gleichberechtigung von Mann und Frau in Einklang zu bringen seien.

„Report Mainz“ und „Der Spiegel“ berichten auch über Vorwürfe gegen mehrere Bildungseinrichtungen, die der Gülen-Bewegung zugerechnet werden. Eltern in Rüsselsheim gaben an, ihr dreijähriges Kind sei während der Kinderbetreuung bei einem Integrationskurs geschlagen worden. Laut einer Sprecherin des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) habe eine Erzieherin des Vereins eingeräumt, dem Kind einen “leichten Klaps” gegeben zu haben. Das BAMF habe zudem festgestellt, dass ein Kind während der Kinderbetreuung in seinem Buggy „festgeschnallt“ gewesen sei. Der Gülen-nahe Förderkreis Rhein-Main darf dem Bericht zufolge keine Integrationskurse mehr anbieten.

Auch gegen eine private Schule in Ludwigsburg werden laut den Recherchen Vorwürfe erhoben. Eine Mutter berichtete, ihre Tochter sei an der Schule dazu gedrängt worden, Kopftuch zu tragen. Mehrere Zeugen berichten zudem von systematischem Mobbing und Gewalt gegenüber Schülern, die nicht zur Gülen-Bewegung gehörten. Außerdem würden die Bildungseinrichtungen dazu genutzt, Kinder als neue Anhänger und Funktionäre der sektenähnlichen Gemeinschaft zu rekrutieren.

Video: Proteste gegen Erdogans Politik auf der Straße und eine Schlägerei im Parlament:


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