So wohlhabend ist der Konzern Kirche: Das irdische Milliardenreich der … – FOCUS Online

Die katholische Kirche verfügt über große Reichtümer, setzt jedes Jahr Milliarden-Summen um wie ein Großkonzern. Woher die Einnahmen kommen und wie hoch das tatsächliche Vermögen der Kirche geschätzt wird.

Hinter dem Finanzierungsystem der Kirchen stecken teilweise jahrhundertealte Verträge und Beschlüsse, die noch aus Napoleons Zeiten stammen. Viele Geldflüsse laufen verdeckt, vor allem weil die Kirche nicht verpflichtet ist, ihre Finanzen in allen Details offen zu legen. So konnte über all die Jahre ein Vermögen angespart werden, von dem so manches Großunternehmen nicht zu träumen wagt. Politikwissenschaftler Carsten Frerk schätzt das Vermögen der Katholischen Kirche in Deutschland auf bis zu 200 Milliarden Euro. Das kommt dem Börsenwert eines Konzers wie Microsoft sehr nah. Dieser liegt aktuell bei rund 210 Milliarden Euro.

Das riesige Vermögen der Katholischen Kirche speist sich in Deutschland vornehmlich aus drei Quellen: der Kirchensteuer, den Vermögenserträgen und den Staatsleistungen. Hinzu kommen noch Einnahmen durch soziale Hilfsorganisationen und eigene Wirtschaftszweige. „Es handelt sich hierbei um ein sehr, sehr verstricktes System“, sagt Carsten Frerk gegenüber FOCUS Online. Der gebürtige Hamburger beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Finanzierungssystem der Kirche und gilt als kirchenkritisch.

5,2 Milliarden Euro für Deutschlands Bistümer

„Das meiste Geld bezieht die Katholische Kirche aus den Beiträgen der Kirchensteuer“, erklärt er. Sie wird von den Mitgliedern, die einkommens- und lohnsteuerpflichtig sind. Tatsächlich zahlt demnach laut Angaben der Deutschen Bischofskonferenz nur knapp ein Drittel der Katholiken Kirchensteuer. Geringverdiener, Rentner, Arbeitslose, Kinder, Schüler, Studenten und Ordensleute sind von der Zahlung ausgenommen. So sind im Jahr 2012 immerhin noch knapp 5,2 Milliarden Euro an Steuereinnahmen in den 27 deutschen Bistümern zusammen gekommen.

Dieses System der Kirchenfinanzierung existiert bereits seit Beginn des 19. Jahrhunderts. Damals verpflichteten sich Landesfürsten dazu, im Gegenzug zur Enteignung der Kirchen, die Finanzierung dieser zu übernehmen. Seit der Reichsgründung 1871 orientiert sich die Kirchensteuer an staatlichen Abgaben wie der Einkommens- und Vermögenssteuer.

Eine derartige Finanzierung, wie sie hierzulande nun schon seit über 200 Jahren existiert, gibt es auch in Teilen der Schweiz, sowie in Österreich, Italien und Spanien. Länder wie die USA, Frankreich oder Portugal setzen auf ein Spenden- und Kollektensystem. Die Anglikanische Kirche in Großbritannien finanziert sich hingegen überwiegend durch Vermögenserträge.

Großteil des Vermögens ist kein Bargeld

Diese stecken in Deutschland unter anderem in Ländereien, Immobilien, Banken, Unternehmen und Barvermögen. Der sogenannte Bischöfliche Stuhl stellt das über Jahrhunderte angesparte Vermögen der einzelnen Diözesen dar, welches keinerlei öffentliche Mittel erhält. „Deshalb muss das Bistum lediglich eine interne Kontrolle gewährleisten, jedoch keine Auskunft über die Höhe des Vermögens abgeben“, sagt Carsten Frerk. Und diese Freiheit nutzen die Bistümer auch. „Genaue Zahlen gibt es tatsächlich kaum. Da hüllen sich die katholischen Kirchen in eisernes Schweigen“, so Frerk im Interview mit FOCUS Online.


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