Kirch-Prozess: Friede Springer und Mathias Döpfner sagen aus – SPIEGEL ONLINE

Viel Glück hatte die Staatsanwaltschaft München an diesem 20. Verhandlungstag im Strafprozess gegen vier frühere und einen amtierenden Top-Manager der Deutschen Bank nicht. Zwar waren prominente Gäste geladen, und der Saal war entsprechend voll besetzt. Doch die Aussagen der Geladenen waren bestenfalls unterhaltsam. Klarheit schafften sie kaum.

Eigentlich sollten die Zeugen die Angeklagten schwer belasten. Dem amtierenden Co-Chef der Bank, Jürgen Fitschen, seinen Vorgängern Josef Ackermann und Rolf Breuer und zwei Ex-Vorstandsmitgliedern wird vorgeworfen, sie hätten sich verschworen, die Justiz zu belügen, um Schadensersatzforderungen des insolventen Medienunternehmers Leo Kirch zu verhindern.

Doch die Zeugen konnten das nicht bestätigen. Ebenso wenig konnten sie Beweise anführen, dass die Bank in den Jahren 2001 und 2002 die Absicht gehabt habe, den Kirch-Konzern zu zerschlagen.

Aversion gegen Jahresabschlüsse?

Werner Karl Schmidt, damals Vorstandschef der Bayerischen Landesbank, rekonstruierte vor Gericht seine Erinnerungen an Kirchs Unwillen, Jahresabschlüsse und ähnliche Berichte über die Finanzlage vorzulegen. “Ich erinnere mich nicht, dass jemals etwas vorgelegt wurde”, sagte Schmidt. Kirch schuldete der Bayerischen Landesbank damals viel Geld.

Die beisitzende Richterin will wissen, ob es Maßnahmen zur Rettung der Kirch-Gruppe gegeben habe. Der Zeuge verneinte. “Es ging nur um die Frage, ob zurückgezahlt wird”, sagte er. Kirch habe immer wieder versichert, die Landesbank bekomme die ausstehenden zwei Milliarden Euro bis auf den letzten Pfennig zurück.

Auch an den Februar 2002 erinnerte sich Schmidt. Breuer hatte damals in einem Interview öffentlich die Kreditwürdigkeit der Kirch-Mediengruppe angezweifelt. Als er davon hörte, habe er dies für “uninteressant” gehalten, sagte Schmidt. Das Interview habe “keine Neuigkeiten” enthalten. Jedermann habe gewusst, wie es um Kirch stand.

Er, Schmidt, habe mit Kirch selbst gesprochen, und der habe “gebettelt und mit tränenden Augen gebeten”, weil 30 Millionen gebraucht wurden, um Löhne und Gehälter zahlen zu können. Es sei ein “unangenehmer Termin” gewesen, weil Kirch einen “Notkredit” gewollt habe, sagte Schmidt. Der sei dann auch gewährt worden.

“Er werde an Gaddafis Sohn verkaufen. Da war ich alarmiert!”

Nach der Mittagspause betritt Friede Springer, stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Axel-Springer AG, den Saal. Sie trägt ein schmales, zart-auberginefarbenes Kostüm, ein feiner Duft erfrischt die abgestandene Luft.

“Als Axel Springer an die Börse ging”, sagt die Zeugin, “hatte Kirch zehn Prozent der Anteile. “Später wurden ohne mein Wissen weitere Anteile dazugekauft, so dass er schließlich 40 Prozent hielt. Als er zum Schluss in Not war, wollte er wieder an uns verkaufen.”

“Da war bei ihm ja schon Feuer auf dem Dach”, sagt der Vorsitzende Richter Peter Noll.

“Das kann man so sagen”, betätigt Springer. Daher sie sie auf Einladung Kirchs nach München geflogen. “Frau Springer”, habe Kirch gesagt, “Sie müssen die Aktien halten. Er werde sonst an Gaddafis Sohn verkaufen. Da war ich alarmiert!”

Der Vorsitzende nickt: “Das wäre sicher nicht ihr Lieblingsaktionär gewesen.”

“Relativ emotionales Gespräch” mit Kirch

Eine gute Stunde später betritt jetzige Vorstandsvorsitzende des Springer Konzerns, Mathias Döpfner, 52, den Saal. Der Zeuge schildert einige Details aus der internen Diskussion bei Springer damals, erinnert sich aber nicht daran, dass jemals von einer “Zerschlagung” des Kirch-Imperiums die Rede gewesen sei.

Im Gedächtnis geblieben sei ihm ein “relativ emotionales Gespräch” mit Kirch. Der Medienmogul habe sich darin über einen Vorschlag Breuers empört, den Konzern aufzuteilen und Teile zu verkaufen. “Ich erinnere mich, dass Herr Kirch das als Anmaßung empfand”, sagt Döpfner.


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