Hochrechnung: Infektion mit Creutzfeldt-Jakob-Erreger häufiger als vermutet – Spiegel Online

Die moderne Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit ist in Großbritannien weiter verbreitet als bisher angenommen: Eine Londoner Studie, die in der jüngsten Ausgabe des “British Medical Journal” veröffentlicht wird, deutet darauf hin, dass bei den Briten einer von 2000 Bürgern den Erreger in sich trägt, selbst wenn die wenigsten bisher die Krankheit entwickelten. Das Forscherteam kam mit einer Hochrechnung zu diesem Ergebnis, nachdem es Gewebeproben von mehr als 32.000 Blinddarmoperationen untersucht hatte.

Es gilt heute als nahezu gesichert, dass die neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJD) durch den Verzehr von Rindfleisch entsteht, das mit BSE (Bovine Spongiforme Encephalopathie) verseucht ist. Der sogenannte Rinderwahn wird von Prionen verursacht, also atypisch gefalteten Eiweißmolekülen. Auch beim Menschen zerstören die Erreger der tödlichen Krankheit das Gehirn, das sich dann schwammartig auflöst. Dies führt zu ähnlichen Symptomen wie beim Rinderwahnsinn.

Prion-Modell: Die Erreger (bunt dargestellt) lösen das Gehirn schwammartig auf.Zur Großansicht

Corbis

Prion-Modell: Die Erreger (bunt dargestellt) lösen das Gehirn schwammartig auf.

Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre erreichte die Gefährdung durch BSE-verseuchtes Rindfleisch ihren Höhepunkt. Danach ergriffen die betroffenen Länder drastische Gegenmaßnahmen in der Viehzucht. Dazu zählten unter anderem Tests auf BSE bei Schlachtrindern. Die EU-Kommission bezahlte dabei die Hälfte der rund 20 Euro pro Test. Seit März 2013 spart sie das Geld. In Deutschland werden die Tests dennoch an älteren Rindern weiter durchgeführt.

Die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit kann noch Jahrzehnte nach der Infektion auftreten. Bisher erfassten die Behörden in Großbritannien 177 tödliche Erkrankungen – während vermutlich Millionen Menschen der Gefährdung durch die BSE-Erreger ausgesetzt waren. Außerhalb Großbritanniens wurden bisher 51 tödliche Erkrankungen registriert.

Die Londoner Studie, die unter der Leitung von Sebastian Brandner angestellt wurde, beruht auf den Daten von Blinddarmoperationen aus 41 verschiedenen Krankenhäusern. Die Mediziner analysierten insgesamt 32.441 Gewebeproben, in 16 entdeckten sie die vCJD-Erreger. Zuvor waren Experten davon ausgegangen, dass nur etwa jeder 4000. Brite den Erreger in sich trägt. Die Studienautoren weisen darauf hin, dass auch künftig streng darüber gewacht werden müsse, die Zahl der Creutzfeldt-Jakob-Erkrankungen nicht durch Bluttransfusionen und mangelnde Vorsicht bei Operationen zu erhöhen.

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