Ferrari-Boss gibt auf: Luca di Montezemolo: Schumacher war sein größter Coup – FOCUS Online

Gerade erst hatte Luca di Montezemolo beim Ferrari-Heimrennen in Monza seinen großen Auftritt, jetzt ist klar: Der 67-Jährige tritt ab. Er erzielte gute wirtschaftliche Ergebnisse. Doch in der Formel 1 fährt Ferrari seit der Schumacher-Ära hinterher.

Nur ein Titel in zehn Jahren, oft mehr Gespött als Maßstab der Formel 1, erst geschlagen vom einstigen Emporkömmling Red Bull, nun chancenlos gegen Mercedes: Die andauernde Ferrari-Krise in der Motorsport-Königsklasse hat Luca di Montezemolo den Präsidenten-Job gekostet. Alle Rettungsversuche für den Rennstall, der als einziger seit WM-Beginn 1950 am Start steht, nützten dem 67-Jährigen nichts mehr. Am Mittwoch kündigte er seinen Rücktritt für den 13. Oktober an. Nach 23 Jahren.

Vorausgegangen waren Meinungsverschiedenheiten mit Fiat-Konzernchef Sergio Marchionne. Dabei ging es nicht nur um die sportliche Bilanz, sondern auch um die künftig stärkere Einbindung von Ferrari in den Fiat-Konzern. Marchionne werde den Sportwagenbauer nun selbst leiten und ihn in der Formel 1 wieder in die Erfolgsspur führen, hieß es in der Mitteilung weiter.

Erst im März für drei Jahre verpflichtet

Erst am Samstag hatte di Montezemolo einen seiner großen Auftritte beim Heimrennen in Monza gehabt. Umringt von zig Kameras und Journalisten hatte er betont: “Ich habe den Sturm der letzten Tage gesehen, ich fand es übertrieben. Ich bin hier, um zu arbeiten, heute, morgen, die kommenden Monate.” Er habe erst im März seine Bereitschaft erklärt und sich dazu verpflichtet, drei weitere Jahre bei Ferrari zu bleiben.

Ob die Rückkehr von Kimi Räikkönen, dem bis dato letzten Weltmeister am Steuer der legendären Roten Göttinnen, vor dieser Saison oder das Aus des im Fahrerlager ebenso beliebten wie angesehenen Teamchefs Stefano Domenicali oder von Motorenchef Luca Marmorini – di Montezemolo versuchte zuletzt alles, dem Mythos Ferrari in der Formel 1 mit Erfolgen neues Leben einzuhauchen.

Montezemolo hatte Kampfgeist gezeigt

In der Fahrerwertung ist Alonso Fünfter – mit 117 Punkten Rückstand auf WM-Spitzenreiter Nico Rosberg im Silberpfeil. Räikkönen hat unglaubliche 197 Zähler weniger als der Deutsche und ist Zehnter.

“Seit sechs Jahren gewinnen wir nicht mehr, wir haben die besten Piloten der Welt und es kann nicht sein, dass wir zwischen dem 7. und 13. Platz starten”, hatte Fiat-Chef Marchionne am Rande des Großen Preises von Italien verlauten lassen und damit die Entlassung von di Montezemolo schon mal vorbereitet. Auch wenn der zuletzt erst einen Dreijahresvertrag unterschrieben hatte und Kampfgeist zeigte.

Formel 1 als Werbeplattform

Di Montezemolos wirtschaftliche Ergebnisse seien sehr gut, “aber im Fall von Ferrari muss man auch die sportlichen Ergebnisse berücksichtigen”, hatte Marchionne betont. Noch mehr als bei allen anderen Teams ist die Formel 1 für die Edel-Sportwagenschmiede die große Marketing- und PR-Plattform.

Di Montezemolo formierte zudem mit Jean Todt als Teamchef und Ross Brawn als Technischer Direktor eine bis heute unerreicht erfolgreiche Mannschaft. 87 Rennsiege – von insgesamt 221 Grand-Prix-Erfolgen -  holte Ferrari von 1996 bis einschließlich 2006, ehe Schumacher erstmals zurücktrat. Von 2000 bis Ende 2004 gewann Schumacher fünf Mal in Serie im Ferrari den WM-Titel. Es war die absolute Hochzeit der Rotkäppchen.

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Di Montezemolo, der 1990 Cheforganisator der Fußball-WM in Italien war, hatte auch schon 1975 und 1977 an Niki Laudas beiden Titeln im Ferrari einen maßgeblichen Anteil – der rhetorisch grandiose Jurist, Studium in Rom und New York, war damals der jüngste Rennleiter in der Formel-1-Geschichte.

“Ferrari ist das wundervollste Unternehmen auf der Welt”

1973 hatte seine Karriere beim italienischen Autobauer als Assistent von Enzo Ferrari begonnen. Di Montezemolo gefiel sich stets auch öffentlich in der Rolle des Gegenspielers von Bernie Ecclestone – meist im Sinne des Geschäfts. 41 Jahre nach seinem Einstieg bei Ferrari ist die Ära des stets mit Stolz und Leidenschaft für die Marke aus Maranello kämpfenden Luca di Montezemolo vorbei. “Ferrari ist das wundervollste Unternehmen auf der Welt”, schrieb er zum Abschied.

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